Bundestagswahl - Wie Facebook die Wahl beeinflusst
Facebook ist Marktplatz, Werbefläche, Durchlauferhitzer für Unterhaltung und Information.
Facebook ist eine der wichtigsten Arenen im Kampf um politische Deutungshoheit geworden.
Traditionelle Institutionen verlieren die Kontrolle über Debatten. Neugegründete, auf Viralität spezialisierte Nachrichtenseiten mischen mit; neue <i>Influencer</i> tauchen auf, die keine Partei brauchen; Bots - automatisierte Software, getarnt als Accounts echter Menschen - verbreiten Nachrichten ebenso wie Desinformation.
Dicht versiegelte Filterblasen, in denen Nutzer ausschließlich mit zur eigenen Einstellung passenden Informationen konfrontiert werden, gibt es auf politischer Ebene im deutschen Facebook praktisch nicht.
Die AfD verharrt eher in einer Echokammer, wie sie fürs Radio genutzt wird, um einen Halleffekt zu erzeugen. Auf das Internet übertragen: in einem abgegrenzten Resonanzraum, in dem Äußerungen im Inneren bleiben und dort verstärkt werden.
Was einen Industriezweig nach dem anderen ereilt hat, trifft nun die repräsentative Demokratie, wie wir sie kennen: Disruption, ausgehend vom Silicon Valley - täglich befeuert von Millionen Nutzern.
Sie profitiert digital umso mehr von der populistischen Grundierung ihrer Slogans, die auf Facebook wie ein Brandbeschleuniger wirkt.
Umstritten ist, wie undurchdringlich diese Wände sind, wie sehr sie unsere Wahrnehmung prägen, unsere Meinungsbildung beeinflussen, wie stark sie uns womöglich von (für uns) unbequemen Informationen und Haltungen abschotten. Denn das Phänomen der Filterblasen und Echokammern gab es schon immer - allerdings wächst im Netz die Gefahr, sich in ihnen einzurichten.
Auch “Fake News” sind nicht der Untergang der Demokratie. Nachrichten lassen sich überprüfen, Fälschungen nachweisen, Bots aufspüren. Der politische Diskurs und der Wahlkampf haben den Schritt ins Digitale vollzogen. Willkommen in der Facebook-Demokratie.